Pflegeroboter und GPS-Gehstöcke – Wie Technik Senioren helfen kann

Die Zahl der immer älteren und pflegebedürftigen Menschen wird in den kommenden Jahren weiter steigen. In Zukunft könnten den Senioren daher Roboter bei vielen Aufgaben zur Hilfe kommen. Wie könnte das aussehen?

Etwas befremdlich wirkt er, dieser Schuh: Er ähnelt einem typischen Sportschuh – mit Laufsohle aus Gummi und einem Schaft aus Kunstfasern und Leder-Verstärkung. Doch was machen die Drähte und elektronischen Kleinteile auf der Lasche? Sie sorgen dafür, dass sich der Schuh selbsttätig öffnet und schließt. Gedacht ist das Produkt nicht für Technik-Begeisterte: «Damit sollen ältere und körperlich beeinträchtigte Menschen angesprochen werden, denen der Schuh zu mehr Sicherheit, Mobilität und Selbstständigkeit verhilft», erläutert Peter Schultheis vom Prüf- und Forschungsinstitut Pirmasens (PFI). Dies sei ein wichtiger Schritt, um auch im Alter unabhängig zu bleiben.

Schultheis ist einer der Forscher, die den Techno-Schuh entwickelt haben. Dieser wird über einen Sensor verschlossen, sobald der Fuß in den Schuh schlüpft. Wahlweise kann die Steuerung auch per Smartphone und App erfolgen. Energie bezieht der Mechanismus aus einem kleinen Akku. Der kann – ähnlich wie eine elektrische Zahnbürste – an einer Ladestation aufgeladen werden, etwa über Nacht. Auch beim Gehen wird Energie gewonnen. 200 bis 300 Schritte seien nötig, um genügend Energie für den Schließ- und Öffnungsprozess zu gewinnen, sagt Schultheis.

2060 ist jeder dritte Deutsche älter als 65 Jahre
Das Interesse an technischen Hilfsmitteln wie diesem Schuh dürfte in Zukunft erheblich zunehmen, glauben Experten. Das Statistische Bundesamt geht davon aus, dass im Jahr 2060 etwa jeder dritte Bundesbürger über 65 Jahre alt sein wird. Im Jahr 2015 war es nur etwa jeder Fünfte. Die Zahl der Menschen über 80 Jahre wird sich bis 2060 verdoppelt haben.

Der Prototyp des am PFI entwickelten selbstöffnenden Schuhs. Quelle: PFI/dpa
Damit steigt auch der Pflege- und Betreuungsbedarf. Im Fachjournal «The Lancet Public Health» berichteten kürzlich Forscher für England, dass künftig immer mehr Menschen über 65 Jahren selbstständig leben können. Gleichzeitig werde sich die Zahl jener Menschen im Alter ab 85 Jahren, die rund um die Uhr Pflege brauchen, in den kommenden zwei Jahrzehnten fast verdoppeln – eine enorme Aufgabe für die Gesellschaft.

Hochwertige Pflege für immer mehr Menschen ist große Herausforderung
«Dieser Herausforderung wird sich nicht nur England stellen müssen, sondern im Grunde alle Industrienationen, aber auch Schwellenländer wie China», sagte Horst Christian Vollmer von der Deutschen Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin. «Bereits jetzt haben wir in Deutschland einen eklatanten Mangel an Pflegefachkräften und an ärztlichem Personal», sagt Vollmer, der am Deutschen Zentrum für Neurodegenerative Erkrankungen in Witten forscht. «Verschärft wird diese Entwicklung durch unterschiedliche Lebenskonzepte: So wird das familiäre Betreuungspotenzial deutlich abnehmen, weil es zunehmend mehr Single-Haushalte gibt. Die Implikationen für die Gesellschaft sind gravierend.»

Erschwerend komme hinzu, dass die Zahl der jungen Menschen im Erwerbsalter abnehme, ergänzt Dörte Heger vom RWI Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung in Essen ebenfalls im Bezug auf die «Lancet»-Studie. «Die demografische Entwicklung trägt damit zum aktuellen Fachkräftemangel in der Pflege bei. Eine qualitativ hochwertige Pflege für die steigende Zahl pflegebedürftiger Menschen sicherzustellen, stellt eine große Herausforderung dar.»

Gehstock mit GPS und intelligente Matratzen
Dass bei der Bewältigung dieser Aufgabe die Technik eine große Rolle spielen wird, zeigte sich auch auf der Pflegemesse Rehacare Ende September in Düsseldorf. Dort wurde etwa ein Gehstock mit einer integrierten GPS-Funktion sowie einem Notrufsystem vorgestellt. Der Nutzer kann damit Alarm auslösen, aber auch überall in Deutschland und Europa von Angehörigen oder Pflegern geortet werden. Eine intelligente Matratze mit eingebauten Sensoren soll Angehörige bei der Pflege entlasten. Die Sensoren erfassen Körperfunktionen und Bewegungen des Liegenden und übermitteln sie auf das Smartphone eines Angehörigen.

Einen Schritt weiter geht man am Caritas-Altenheim St. Vinzenz in Garmisch-Partenkirchen. Dort sollen noch in diesem Jahr zwei Pflege-Roboter eingesetzt und auf ihre Praxistauglichkeit getestet werden. Edan und sein Kollege Justin wurden am Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) in Oberpfaffenhofen entwickelt.

Leave a Reply

Your email address will not be published. Required fields are marked *